,Die Schrillmänner‘

Sehenswert sind sie aber!

Bei dem Chor ist der Aufmarsch eine Schau. Drum kommen die 35 ,Schrillmänner‘, der schwule Männerchor aus Karlsruhe, auch durchs Publikum auf die Bühne des Freiburger Vorderhauses stolziert: manche gar vollverkleidet, als Nonne oder Marineoffizier. Sie zeigen Stöckel, Strumpf und Haut die Menge, Perücken, Glitter und Federboas ums bläulich schimmernde Männerkinn. So nehmen sie Aufstellung und singen Klangvolles: Musical-Evergreens und Eigenkompositionen, älteres Liedgut und sentimentale Schlager – zumeist mit eigenen Texten und selbst arrangiert.

Das klingt manchmal frech und auch witzig, doch oft auch recht nach Gesängen Betroffener. Da wird die Gewalt gegen Schwule gegeißelt, Solidarität beschworen und nach altvertrauten Bürgerliedklängen gelehrt: ,Ob wir in die Gegend spritzen oder ein Kondom benützen, das tut, das tut was dazu.‘

Zum Auftakt einer gemeinsamen Reihe luden das Vorderhaus und die ,Rosa Hilfe Freiburg‘ diesen gutgelaunten Chor, der bereits zweimal die USA bereiste und auch schon zwei CDs produzierte. Letzteres allerdings überrascht, denn schließt, man im Konzert die Augen, ist der Genuss halbiert. Das liegt nicht an den Arrangements, Edzard Burchards souveräner Chorleitung oder der pianistischen Begleitung der einzigen Frau(Ellen Becht.) – die guten Stimmen sind einfach zu rar. Da ist die Optik einfach unentbehrlich Schon wegen der entzückenden Details: Ansagezettel etwa, die aus Handtäschchen genestelt werden, oder Jungs in martialischem Outfit (mit Leder und Ketten auf nackter Haut), die mit vor Eifer rührend leuchtenden Augen des Dirigenten Eins�tze verfolgen. Ein sehenswerter Chor.

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