Auf Plateaupumps in extravagante Welt

�Wie noch nie!�: �Schrillmänner� feiern ihr neues Programm in Landau und Karlsruhe � Mit komödiantischem Talent

Die Welt der �Schrillmänner� ist bunt, mondän, grandios, glitzernd, extravagant, manchmal tief dekolletiert und immer in jede Menge Puder und Make-up getaucht. Am Wochenende präsentierten die, wie sie sich selbst gerne nennen, �musizierenden Homosexuellen� ihr neues Programm im Haus am Westbahnhof in Landau und im Tollhaus in Karlsruhe.
�Wie noch nie!� heißt es und sorgte bereits im Vorfeld der Auftritte am Freitag und Samstag für Aufsehen: Das Ankündigungsplakat zeigte nämlich außer sehr wenig Text nicht mehr als einen nackten Hintern in Großaufnahme. Auf den Untertitel haben �Die Schrillmänner� im Druck verzichtet, aber auf der Bühne ist er permanent präsent. �Geliebt und gevögelt�, dieser Zusatz macht aus den zwei Stunden szenischem Gesangsprogramm auch ein Statement für sexuelle Freiheit, Ungezwungenheit, Toleranz. Dies ist in sehr viel hörens- und sehenswerte Arrangements verpackt von Regisseurin Nana Müller und Dirigent Edzard Burchards, der zwischendurch auch selbst mal mitsingt oder statt seines schwulen Chores das Publikum dirigiert. Aber nicht nur bei �Was wäre der Dirigent ohne Chor� zeigen die 16 Sänger aus Karlsruhe und Landau, dass sie auch komödiantisches Talent haben, auch während den insgesamt 16 Liedern schauspielern �die Verzauberten� mit sehr viel Bühnencharme. Den haben auch ihre Tüll-Minikleider, ihre Pailettentops, ihre Netzstrümpfe, Plateaupumps, ihre Latex-Metalloberteile, ihre neon-orangenen Fellstiefel, ihre Lederhosen, Blaumänner, Pastorenkittel, Lackshorts und ihre rosa Kapitän-Outfits. Neben handfesten Lederhosen gab es bei �Wie noch nie!� auch gepiercte Männerbrüste und Kettenröcke mit sehr viel Einblicken, aber �auf den Brettern, die die geile Welt bedeuten�, wollten �Die Schrillmänner� vor allem eins: Singen.

Bei �Einmal die berühmte Diva sein� von den Freuden und Leiden eines Idols, bei �die Kleptomanin� von Frauen, die nicht nur Lippenstifte sondern auch Männer klauen, und beim �Masochistentango� von den Tücken der Schmerzen, die man erst danach richtig spürt.
Schmerz- aber auch einmalig humorvoll war auch der �Leder-Ländler�, den sich �Die Schrillmänner� von den �Queens of Spleens� geborgt haben. Die sowohl szenische als auch gesangliche Umsetzung von dem selbstironischen sadomasochistischen Exkurs rund um den Refrain �Was a Gaudi, wenn i hau di� sorgte beim Publikum für begeisterten Zwischenapplaus � wie im übrigen auch die Moderation von Ludger Kock, dem auch der Rat seines Therapeuten nicht half, sich beim öffentlichen Erklären von Schwulsein einfach vorzustellen, er erkläre das Strickmuster eines Norwegerpullis: �Sieben weniger eins, das isses, aber das is ja auch nur die Hälfte der ganzen Sache. Besser ist es so: Was machen die sieben Zwerge, wenn sie merken, dass sie nicht auf Schneewittchen stehn? Oh, werdet ihr jetzt sagen, dann machen sie halt den Haushalt wieder selber.� Dass es ganz so einfach aber nicht ist mit sexuellen Orientierungen, die nicht der Norm entsprechen, zeigten auch Zugaben wie �Keine Rechenschaft für Leidenschaft�.
Und trotzdem ist es gerade der grandiose Humor der �Schrillmänner�, mit der sie sich bei ihren Auftritten nicht nur Toleranz, sondern vor allem auch jede Menge Respekt verdienen. Fulminant war bei �Wie noch nie!� nicht zuletzt das Schlussstück des Programms: �Homebanking�.

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Die Rheinpfalz, Mo, 28.11.05, Eva Maria Weilemann