Schräg und theatralisch

Die Schrillmänner zeigten neues Programm im Tollhaus

Von hinten kommt "SIE" mit H�ftschwung angest�ckelt und krault sich augenklimpernd durch die Reihen. Trippelt kokett auf die B�hne in ihrem blauen Abendkleid und wirft schmachtende Blicke ins Publikum. Dann marschiert der Rest der 16-k�pfigen Truppe auf und das Defilee ist, wie immer bei den Schrillmännern, eine wahre Augenweide: Sie stolzieren einher in gewagten Glitzerkleidern und wilden Mähnen, staksen auf hohen Pumps in trachtenähnlichen Fummeln oder neckischem Lendenschurz aus Ketten. Sie sind wie zünftige Bauarbeiter mit Helm bekleidet, als barocke Adlige, Indianerhäuptlinge mit Federschmuck und Cowboys in Zartrosa. Sie zeigen Bein, Bauch und Po, tänzeln und tippeln, wandeln und wallen, dass es nur so eine Freude ist.
Alle Jahre wieder geben Die Schrillmänner, Karlsruhes renommierter Schwulenchor, im Tollhaus ein etwas anderes Adventskonzert. Dieses Mal warteten die "Schrillies" aber nicht nur mit einem neuen Programm auf, sondern zeigten auch, was schauspielerisch in ihnen steckt: Theatralisch hauchten sie den Protagonisten ihrer Lieder Leben ein, unterstrichen die Geschichten über Zärtlichkeit und Sehnsucht, Leidenschaft und Herzschmerz, Anmache und Sex mit szenischen Bildern. Und es kam so richtig gut an, was die Regisseurin Nana Müller mit dem Chor einstudiert hatte, da machte es auch nichts weiter aus, dass manchmal die Stimmen ein Bisschen dünn ausfielen.

Da ging es, begleitet von der einzigen "biologischen Frau" am Piano, um die Kleptomanin, die statt Edelfummel und Schuhen Männer einsammelt, den Wunsch "Lass mich einmal deine Carmen sein" oder den Masochistentango - "Ich brenne für dich, drum verbrenn du auch mich". Die "Verzauberten" wie sie sich nennen, sangen über Schwulenklatscher, die "totgelacht und plattgemacht" wurden und zwitscherten das "Zauberlied der Nacht". Chorleiter Edzard Burchards musste erfahren, was ein Dirigent ohne singenden Chor ist: sie himmelten ihn nämlich nur an und verfolgten entzückt seine graziösen Bewegungen.

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BNN-Karlsruhe, Do, 01.12.05, suma