,Keine Rechenschaft für Leidenschaft‘

Konzert des schwulen Chores Karlsruhe ,Die Schrillmänner‘ im Landauer ,Haus am Westbahnhof‘

Vor ausverkauftem Haus boten die ,Schrillmänner‘, der schwule Chor aus Karlsruhe, am Samstag Abend im Haus am Westbahnhof in Landau ein Konzert, das Homos und Heteros gleichermaßen begeisterte. Auf Einladung des GEW-Kreisverbandes und des Vereins Leben und Kultur gastierten die Sänger, nach internationalen Konzerten und Auftritten im süddeutschen Raum nun auch in Landau. Nach einem Begrüßungsständchen durch die ,Landauer Liederleut‘ begann das mit Witz und Charme aber auch kritischen und leisen Tönen facettenreiche Programm. Die ,Schrillmänner‘, die seit 1988 existieren, machten ihrem Namen alle Ehre. Wurde doch durch den Eröffnungssong ,Personality Show‘ (auch Titel ihrer Sommerrevue in Karlsruhe) und ihre schrillen Kostüme schnell klar, dass an diesem Abend außerordentlich kreative Persönlichkeiten gekonnt besungen werden. Bekannte Melodien, wie zum Beispiel aus ,My fair Lady‘ wurden derart modifiziert, dass statt Eliza Doolittle plötzlich ein schwuler Mann Sprachunterricht bekam.

Das Repertoire der ,Schrillmänner‘ mit ihrem Dirigenten Edzard Burchards und ihrer Pianistin Ellen Becht reicht vom Renaissance-Lied bis hin zu Popsongs und Schlagern. Teilweise arrangierte der Komponist und Textautor Martin Widmaier diese neu, teilweise wurden Eigenkompositionen mit Texten, die der gesamte Chor entwickelt hat, vorgetragen. Viele wurden natürlich auch im Original gesungen - gespickt mit viel Selbstironie und Gefühl. Die Umsetzung war nicht nur inhaltlich originell und anspruchsvoll, sondern auch gestisch, mimisch und vor allen Dingen gesanglich überzeugend.

Im ersten Teil des Konzerts stand die Aufklärung der Heteros über das schwule Leben im Mittelpunkt: Liebesleid und Liebesfreud, Ängste gegenüber der Umwelt (,wir werden totgelacht‘) und das Aufräumen mit Vorurteilen. ,Somewhere‘ und ,Something inside so strong‘ sind nur zwei Beispiele aus dem reichhaltigen Programm. Zwischen den einzelnen Liederblöcken traten immer wieder zwei ,reizende Damen‘ aus den Reihen der zwanzig Sänger und machten auf die Hintergründe bzw. Entstehungsgeschichte der Songs aufmerksam. So zum Beispiel auf das angedichtete Schwärmen von Schwulen für Diven. Dies nahmen die Männer gleich zum Anlass, Lieder von Hildegard Knef - unter anderem ,Rote Rosen‘ - und Marianne Rosenberg zu singen. Tatsächlich regnete es Rosen für die Sänger aus dem mit 250 Zuhörern besetzten Saal. Nach ,Always look on the bright side of life‘ und ,Everytime we say goodbye‘ wurden die ,Schrillmänner‘ noch längst nicht entlassen. Frenetischer Applaus ,nötigte‘ zu vier Zugaben bis mit ,Ade zur guten Nacht‘ ein gelungenes Konzert zu Ende ging.

(kof)

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